Dekubitus

Versorgung von Patienten mit Druckgeschwüren: BVMed-Umfrage zeigt Unterversorgung von Risikopatienten mit Antidekubitus-Hilfsmitteln

In Deutschland gibt es aus Sicht der Pflegedienste eine Unterversorgung von Risikopatienten mit Hilfsmitteln zur Vermeidung von Druckgeschwüren, der so genannten Dekubitus-Prophylaxe. Das ist ein Ergebnis einer Online-Umfrage des Dekubitus-Forums des Bundesverbands Medizintechnologie, BVMed, an dem sich rund 750 ambulant und stationär tätige Pflegekräfte beteiligt haben. Nach den Umfrageergebnissen besteht bei rund einem Drittel der vom Pflegedienst betreuten Menschen ein erhöhtes Dekubitus-Risiko. Anti-Dekubitussysteme wie ein Spezialbett oder spezielle Auflagen kommen aber nur bei knapp 40 Prozent dieser Risikopatienten zum Einsatz, obwohl die Patienten nach dem Sozialgesetzbuch und dem Hilfsmittelverzeichnis Anspruch auf ein Hilfsmittel haben, wenn ein Dekubitus-Risiko vorhanden ist.

"Ärzte, Pflegende, Patienten und Angehörige sind gemeinsam aufgefordert, diese Situation zu verbessern. Medizinisch und volkswirtschaftlich ist es sinnvoll und notwendig, ein offenes Druckgeschwür im Vorfeld durch geeignete Hilfsmittel zu vermeiden, statt es hinterher aufwändig und kostenintensiv zu therapieren", so BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt. Die Pflegedienste hätte hier die besondere Aufgabe, die Patienten zu unterstützen und bei einem vorhandenen Risiko den Anspruch der Patienten auf die Hilfsmittelversorgung beratend durchzusetzen. Aber auch die Patienten und Angehörigen müssten besser informiert sein und "Gesundheitsmanager" in eigener Sache werden, um ihre Ansprüche gegenüber den Krankenkassen durchzusetzen.

Die Gründe für den unterbliebenen Einsatz von Anti-Dekubitus-Hilfsmitteln, obwohl beim Patienten eine Dekubitusgefährdung besteht, sind nach den Ergebnissen der BVMed-Umfrage vielfältig. Bei 44 Prozent der Antworten der Pflegekräfte waren die Antidekubitus-Systeme bereits angefordert, aber noch nicht eingetroffen. Denn oft dauert es zu lange, bis das Rezept von den Krankenkassen genehmigt wird. Bei 23 Prozent wird die prophylaktische Versorgung von den Krankenkassen abgelehnt, obwohl die Notwendigkeit besteht. 14 Prozent der Pflegekräfte gaben an, dass der verordnende Arzt keine Notwendigkeit eines prophylaktischen Einsatzes erkennt und die Verordnung daher ablehnt. Und 15 Prozent der Pflegenden gaben an, dass der Großteil der Krankenkassen die Anträge ablehnt.

Unter Dekubitus versteht man ein Druckgeschwür, das entsteht, wenn ständiger Druck auf bestimmte Hautareale deren Versorgung mit sauerstoffreichem Blut verhindert. Druckgeschwüre zählen zu den chronischen Wunden. Betroffen sind in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen.

"Dekubitus ist ein ernsthaftes Problem. Er kann lebensgefährdend sein. Daher müssen wir die Versorgungssituation durch eine konsequente Anwendung der bestehenden Erhebungsbögen und eine schnellere Genehmigungspraxis durch die Krankenkassen verbessern", so Daniela Piossek, Hilfsmittelexpertin des BVMed.

Das Dekubitus Forum, das durch Mitgliedsunternehmen des BVMed-Fachbereichs "Hilfsmittel gegen Dekubitus" gegründet wurde, hat sich u. a. zum Ziel gesetzt, eine patientenorientierte Versorgung und Produktauswahl durch Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen. Weitere Informationen zum Thema gibt es unter www.bvmed.de/themen/dekubitus.

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Manfred Beeres
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